ADALBERT STIFTER (1805 - 1868)




23.10.1805
Geburt Adalbert Stifters in Oberplan
1805-18
Kindheit im Böhmerwald
1817
Tod des Vaters
1818-26
Schulzeit in Kremsmünster, OÖ
1826-48
Wiener Zeit - Studien- und Künstlerjahre
1837
Heirat mit Amalia Mohaupt
1840
erste größere literarische Veröffentlichungen – Rascher Aufstieg zum Erfolgsschriftsteller; wichtigstes Werk: Studien (1844-1850)
1848-68
Linzer Zeit - Schriftsteller und Beamter; Hauptwerke: Bunte Steine (1853), Der Nachsommer (1857), Witiko (1865-67), Mappe (letzte Fassung unvollendet);
1850-65
Landesschulinspektor für Volksschulen – Schriften zur Bildung und Erziehung (1848-50) Konservator, Kunstförderer und Maler;
28.1.1868
Tod Adalbert Stifters in Linz


Adalbert Stifter wurde am 23. Oktober 1805 als ältester Sohn des Leinenwebers und dann als Flachs-händler tätigen Johann Stifter im böhmischen Oberplan an der Moldau (heute Horní Planá) geboren und trug anfänglich den Namen Albert. Der Vater verstarb früh, ein umstürzendes Flachsfuhrwerk erschlug Johann Stifter 1817 bei Wels. Bis der Großvater mütterlicherseits, Franz Friepes, Adalbert 1818 trotz der schwierigen familiären Situation ins Gymnasium schickte, arbeitete der nun als Mutterkind aufwachsende Knabe vor allem in der Landwirtschaft mit dem väterlichen Großvater Augustin Stifter, um die kargen Lebensverhältnisse der Familie zu bessern. 1820 heiratete die Mutter den Bäckermeister Ferdinand Mayer. 1825 erkrankte Stifter an den als »echte Blattern« bezeichneten Pocken.

Den bis 1826 währenden Besuch des Gymnasiums der Benediktiner in Kremsmünster bezeichnete Stifter später als besonders glücklich. In der alpennahen Klosterschule wurden die Grundlagen für eine aufgeklärte Natursicht wie der Literatur und Kunst gelegt. Das dann 1826 aufgenommene Studi-um der Rechte in Wien währte bis 1830, jedoch ohne Abschluss. Nach Abbruch des Jus-Studiums wandte sich Stifter dem Studium der Mathematik und Physik zu. Sein wichtigster Lehrer war der Physikprofessor der aus Friedberg stammende Andreas von Baumgartner. Für das Jahr 1827 sind erste dichterische Versuche Stifters, die dem Geiste nach an Klopstock, Herder und Jean Paul orientiert sind.

Auch die unerfüllte Liebe zu Fanny Greipl begann 1827 und dürfte sich im Sommer 1829 auf ihrem Höhepunkt befunden haben. Die ebenso in diese Zeit fallenden zunehmenden Selbstzweifel scheinen Stifter zum Alkoholabusus geführt zu haben. Um 1829/30 entstand dann auch ein erster prosaischer Versuch in der Fragment gebliebenen Erzählung „Julius“, in der noch immer das Vorbild Jean Pauls spürbar ist. In den Jahren 1832 und 1833 bemühte sich Stifter erfolglos um amtliche Lehrstellen. Im Februar 1833 brach Fanny die sporadische Beziehung dann ab, kurz darauf lernte Stifter die Putzma-cherin Amalia Mohaupt (1811-1883) kennen. Erst nach dem Scheitern eines letzten Reuebriefes an Fanny zum 20. August 1835 versprach er dann Amalie die Ehe. Um 1834/35 dürfte auch „Der Condor“ entstanden sein, der aber erst 1840 zur Veröffentlichung gelangte.

1836 sodann ehelichte Fanny den Kameralsekretär (=Finanzbeamter) Josef Fleischanderl, am 15. November 1837 heiratete Stifter die als intellektuell dem Dichter unterlegene beschriebene Amalia und versuchte damit die innere Ordnung seines Lebens wiederherzustellen. Die materiellen Sorgen aber wurden umso augenfälliger und verließen den Dichter auch in der Ehe mit der nahezu ver-schwendungssüchtigen Amalie nicht mehr, wie Pfändungen 1837 und 1841 belegen. Um 1836/37 entstanden auch die „Feldblumen“, die 1841 veröffentlicht wurden.

Noch vor der Eheschließung hatte sich Stifter 1837 um eine Anstellung an der Forstlehranstalt Mariabrunn beworben. 1839 entstanden die ersten wichtigeren Gemälde „Blick auf Wiener Vorstadthäuser“ sowie „Blick in die Beatrixgasse“ und „Ruine Wittinghausen“. Im selben Jahr verstarb auch Fanny. 1840 erschien „Der Condor“ in der „Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode“ und wurde begeisternd aufgenommen. Im Jahr 1841 folgte die Erzählung „Feldblumen“ im Almanach „Iris“ nach. Nach 1841 begann Stifter, sich als Hauslehrer in Wiener Adels- und Bürgerfamilien zu versuchen und unterrichtete unter anderem von 1843 bis 1846 Richard von Metternich, den Sohn des österreichischen Staatskanzlers. Der Pester Verleger Gustav Heckenast, der schon die „Feldblumen“ herausgegeben hatte, begann sich nun Stifters anzunehmen und seine Arbeiten zu fördern: Stifter wird Herausgeber des Sammelbandes „Wien und die Wiener“ und veröffentlicht 1842 die berühmte Erzählung „Der Hochwald“.

Es folgten einige journalistische Arbeiten, bis dann mit „Abdias“ 1842 der Durchbruch gelang, der Stifter auch materiell zunehmende Unabhängigkeit brachte. Es folgten bis 1844 „Brigitta“ und „Das alte Siegel“, dann „Der Hagestolz“ und „Der Waldsteig“. 1843 wurden die ersten Erzählungen bereits umgearbeitet und schon 1844 konnte der nunmehr vorwiegend schriftstellerisch Tätige bereits seine Erzählungen gesammelt und vermehrt in den ersten beiden Bänden der „Studien“ vorlegen. Die nun rasch erlangte Anerkennung wurde allerdings schon 1847 wieder zunichte gemacht. Die beiden letzten Bände der „Studien“ wurden nun gegen die stärker zeitbezogene Literatur gehalten, die in diesem Vergleich scheiterten. Auch kritisierte der Dichterkollege Friedrich Hebbel die Werke des mittlerweile anerkannten Dichters nun scharf.

Die Unruhen des Revolutionsjahres 1848 brachten Stifter, wiewohl er als ein Anhänger der Bewegung und „fortgeschrittener Liberaler“ galt und auch als Wahlmann für die Nationalversammlung zu Frankfurt fungierte, dazu, die Reichshauptstadt zu verlassen und nach Linz überzusiedeln. Hier veröffentlichte er in Antithese zur Revolution Werke zur Pädagogik und Bildung. Schließlich wurde er 1850, nun wieder zunehmend von finanziellen Sorgen geplagt, zum Schulrat ernannt und nach einer provisorischen Zeit 1853 endgültig angestellt. Die Ehe mit Amalia, die kinderlos bleiben sollte, scheint nicht mehr glücklich geworden zu sein.

Auch darf der Versuch, eine Nichte Amalias an Kindes statt anzunehmen, mit deren Selbstmord 1859 als gescheitert betrachtet werden. Von den zunehmenden Beschwerden einer Leberzirrhose und von Depressionen geplagt, fügt sich Stifter am 26. Januar 1868 auf dem Krankenbett mit einem Rasiermesser einen Schnitt in den Hals zu und verstarb zwei Tage darauf. Auf dem Stifter-Barbara-Friedhof der Stadt Linz fand Adalbert Stifter schließlich seine letzte Ruhestätte.



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