Das Adalbert Stifter Gedenkjahr 2005

2005 jährte sich zum 200. Male der Geburtstag des österreichischen Dichters Adalbert Stifter (1805 – 1868). Sein ästhetisch-sittliches Ideal bekundet sich in einem “sanften Gesetz”, das im Leisen und Einfachen die Kraft erkennt, die alle Leidenschaften und plötzlichen Bewegungen im Dasein der Natur und des Menschen zähmt, bändigt und letztendlich heiligt.

Wer Bücher liest, der schreibt auch Briefe. Oder wie Stifters Lehrmeister Jean Paul schrieb: “Bücher sind dickere Briefe an Freunde”, wobei er seine vielen hübschen Freundinnen natürlich mit einbezog. Damals waren Männer und Frauen noch nicht so verklemmt und vergendert wie heute.

Von wegen des Briefeschreibens verwundert es nicht, dass die Länder Österreich, Deutschland und Tschechien aus Anlass des 200. Geburtsjahres Stifter gewidmete Sondermarken herausbrachten. Erstens gehört dieser Dichter zu den wortmächtigsten Autoren im deutschen Sprachraum. Es ist kein Zufall, dass er nachträglich in seinen Erzählungen sämtliche Fremdwörter ausgetilgt hat. Er brauchte sie nicht.Zweitens spielen Stifters Erzählungen hauptsächlich in seiner böhmischen Heimat, deren Landschaften er in ihrer Eigenart immer wieder ausgesprochen stimmungsvoll erfasst.

Der lebendige Zauber Stifters liegt in dem Durchdringen seiner katholischen Frömmigkeit mit dem Geist der mitteleuropäischen Klassik. Was im nördlichen Protestantismus sich in verschiedenen Formen bei Klopstock, Hölty und anderen weniger begabten Gleichgesinnten verwirklicht hatte, fand nun im südlichen Sprachraum eine eigene und frische Ausbildung in katholischer Façon.

Stifter, der „Mann des Maßes“, wie er sich selbst einmal nannte, sah nicht die seelische Mitte seiner Persönlichkeit als Maß aller Dinge und Lebewesen an. Dieser glaubende Christ fand sich zurecht im göttlich offenbarten Wort und vor allem in der Schöpfung, der „sichtlichen Verkörperung Gottes“. In Stifters Erzählungen bildet die Natur den heiligen schützenden Schoß des Lebens, der wie der Wald im „Witiko“ die Menschen birgt und hegt und dem himmelhoch rauschende Bäume genauso wichtig sind wie das stumme bodennahe Moos und die Blüten des Märzbechers ohne den Lärm der kommenden Märzrevolution.

Mehr zu Adalbert Stifter und seinem Leben können Sie auf Wikipedia.org, Adalbertstifter.at nachlesen, seine Werke finden Sie auf dem Gutenberg Projekt von Spiegel.de. Für die gute Zusammenarbeit am Gedenktag 2005 möchten wir uns bei Adalbert Stifter Praxismittelschule der pädagogischen Hochschule der Diözese Linz, Gratis-Konto.co.at und ooegeschichte.at bedanken. Ohne die Hifle dieser Partien wäre der Gedenktag 2005 nicht möglich gewesen. Danke!